Zyklisch leben – geht das überhaupt?

DörteUnkategorisiert

Diese Frage steht immer wieder Raum, wenn es um Zyklusachtsamkeit geht und fördert ganz schnell die verschiedensten Gefühle zutage. Doch was bedeutet zyklisch zu leben überhaupt?

Jeder Mensch unterliegt äußeren Zyklen, wie zum Beispiel den Jahreszeiten und dem Tag-Nachtrhythmus. Menschen mit Menstruationszyklus haben einen ganz besonderen, inneren Rhythmus, der körperliche, emotionale und dadurch auch gedankliche Veränderungen mit sich bringt. Menschen mit Menstruationszyklus bewegen sich dadurch ständig in einem Fluss von ansteigender und mehr nach innen gerichteter Energie. Während die ansteigende Energie, die Zeit zwischen Menstruation und Eisprung, oft als leichter oder angenehmer empfunden wird, hat die zweite Hälfte sowohl bei Zyklusreisenden wie auch dem Umfeld einen nicht so guten Ruf. Woran liegt das?

In der zweiten Hälfte haben Menschen mit Menstruationszyklus nicht mehr ganz so viel Energie wie in der ersten Hälfte des Zyklus. Das liegt unter anderem an hormonellen Veränderungen innerhalb der zweiten Zyklushälfte, Lebensstil, Selbstfürsorge, momentane Lebenssituation etc. Das Innenleben und dementsprechend die Bedürfnisse von Zyklusreisenden verändern sich permanent, doch die Strukturen des Alltags unterliegen ihren eigenen Rhythmen und gesellschaftlichen Vorgaben, die auf ganz beständige Weise keine Veränderungen vorsehen.

Die zyklische Natur steht also einer linearen Lebensweise gegenüber.

Genau da ist der Reibungspunkt, der oft zu emotionaler und körperlicher prämenstrueller Anspannung und Menstruationsschmerzen führt. Und genau an diesem Punkt liegt die Entscheidung: möchte ich mein Leben mehr nach meinen zyklischen Bedürfnissen ausrichten oder nicht? Und wenn ja, wie ist das möglich in dieser komplexen, schnelllebigen Zeit?

Zyklisch zu leben ist für jeden Menschen in jeder Situation möglich, ob ohne oder mit Kind(ern), studierend, selbstständig, arbeitslos bis alleinerziehend mit 3 Kindern und Hund und/oder 40+ Stundenwoche, single oder mit PartnerIn. Nach dem Zyklus zu leben ist kein Privileg sondern eine Entscheidung, sich selbst wichtig zu nehmen und zu schauen, in welchem Rahmen, welche Veränderungen möglich sind.

Menstruationsschmerzen auf Arbeit

Da gibt es zum Beispiel Clemence, die mir erlaubt hat, ihren Erfolg hier zu teilen. Sie ist Vollzeit angestellt, in leitender Position und leidet immer an Tag 2 und 3 ihrer Blutung so sehr unter Schmerzen, dass alleine der Weg zur Arbeit eine Tortur für sie ist. Als Lösung nahm sie sich die beiden Tage ihres Zyklus kurzfristig Urlaub bis sie sich notgedrungen ein Herz fasste (weil sie kein Urlaub mehr übrig hatte). In einer lang überlegten Email, schilderte sie ihrem Mitte 50jährigen Vorgesetzten ganz offen, ihre Situation und bat darum, an Tag 2 und 3 ihrer Blutung von zu Hause arbeiten zu dürfen. Zu ihrem Erstaunen, nahm ihr Vorgesetzter den Vorschlag wohlwollend an und bedankte sich für ihre Offenheit. Ich kann mich immer noch sehr gut an die Nachricht erinnern, in der Clemence unter Tränen beschrieb, dass sie nicht fassen konnte, dass sie 10 Jahre ihren Zyklus, ihre Schmerzen, ihr Frausein in ihrem Arbeitsverhältnis versteckt hatte und glaubte, sie müsste stark sein, um zu bestehen.

Manchmal ist die Welt bereiter für das zyklische Leben als gedacht.

Es muss nicht gleich ein derartiger großer Schritt sein und von zu Hause arbeiten zu können, ist auch nicht unbedingt für viele eine Realität. Zyklusachtsamkeit kann auch bedeuten, die Mittagspause alleine in Stille in einem Park zu verbringen statt mit den KollegInnen. Vielleicht ist es an Tag 1, 2 oder 3 auch ok, den Gedanken mehr Freizeit zu geben während das Gesicht einen fokussierten Ausdruck vor dem Bildschirm annimmt. Denn sein wir doch mal ehrlich, wenn die Gebärmutter arbeitet, braucht es erheblich mehr Energie, sich auf etwas zu konzentrieren. Vielleicht geht es auch darum zu lernen, in bestimmten Phasen des Zyklus, Dinge zu delegieren oder Dinge für einen späteren Zeitpunkt liegen zu lassen. Bewusst mit dem Zyklus zu leben, kann auch bedeuten, besser abschätzen zu können, wann die Blutungszeit kommt und darauf vorbereitet zu sein, statt davon überrascht zu werden.

Zyklisch zu leben heißt, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse kennenzulernen. Je nachdem in welcher Lebensphase frau sich befindet, sieht zyklisch zu leben anders aus und ist mitunter herausfordernd und bedarf einiges an Kreativität und Organisation. Nach den eigenen Bedürfnissen zu 100% zu leben, ist relativ unwahrscheinlich, aber vielleicht zu 1%. Die Frage ist: Wie sehen diese 1% jeden Tag aufs Neue aus und bist du bereit, dir diese 1% zu schenken?

Alles Liebe,
Dörte

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Mehr Info rund um den Zyklus findest auf www.weavingcycles.com